Radikale Akzeptanz – Was tun, wenn man eine Situation nicht ändern kann?
- Jutta Baur

- 1. Nov. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Situationen, da fühle ich mich einfach nur ausgeliefert. Dann sehe ich kein Land und denke, ich sei völlig hilflos. Ich werde wütend, bin aufgebracht, gerate in Traurigkeit oder bekomme Angst. Ich bin sicher, du kennst das auch. Warum ich? Das ist unfair! Aber was stärkt, um nicht in negativen Emotionen zu versinken? Radikale Akzeptanz!
WOW! Das Wort „radikal“ hört sich ganz schön drastisch an. Worum es dabei geht, welchen Nutzen du davon hast und wie du sie ohne viel Mühe lernen kannst, möchte ich dir heute zeigen.

Wenn man leidet, ist häufig die erste Reaktion, sauer zu werden und am besten jemand anderem die Schuld zu geben. Stelle dir einfach einmal folgende Situation vor: In deinem Job bist du richtig gut. Dein Chef schätzt deine Arbeit und du hast das Gefühl, er möchte dich fördern. Als eine wirklich interessante, besser dotierte Stelle frei wird, die auch noch top auf dich passt, wirst du nicht einmal gefragt, sondern jemand anderes von außen eingestellt.
Oder…
Du möchtest unbedingt eine Wohnung in einem bestimmten Haus mieten. Mit der Verwaltung hast du ausgemacht, dass sie dir bescheid geben, sobald etwas frei wird. Hin und wieder rufst du an, um dich zu erkundigen. Eines Morgens siehst du, wie eine Spedition Möbel ist Haus trägt. Ein neuer Mieter. Der Hausverwalter hat dich schlicht vergessen.
Es ist unfair! Richtig!
Du kannst jetzt so richtig wütend werden – begreiflich! Du kannst mit deinem Schicksal hadern – Wieso habe ich immer Pech? Du kannst anderen Personen die Schuld an den Vorkommnissen geben – Der Chef ist gemein, der Verwalter ein Idiot.
Alles das ist völlig verständlich und nachvollziehbar. Aber es bringt dich keinen Schritt weiter.
Die Ursache für deinen Schmerz bleibt nach wie vor bestehen. Je mehr du dich damit befasst, desto mächtiger schlagen die eigenen Emotionen zu. Du wirst blind für die Realitäten. Dein Körper reagiert. Du bekommst Bauchschmerzen, Kopfweh, dein Herz klopft laut. Das ganze Stress-Programm.
Was ist also zu tun?
Super wäre es, eine Art Erste Hilfe für solche Fälle in petto zu haben. Genau die gebe ich dir jetzt. Keine langwierigen Übungen, Änderungen oder Selbstoptimierungen, sondern klare Möglichkeiten, sofort die Situation zu verbessern.
Erkenne die aktuelle Situation so an, wie sie ist. Sie entspringt einer ausgedehnten Kette von Ereignissen und Entscheidungen, die schon lange vorher begonnen haben. Du interessierst dich für dein inneres Kind? Darum bist du auf meinen Blog aufmerksam geworden. Die Überschrift hat dich angesprochen und nun liest du genau diesen Satz.
Eines führt zum anderen. Stelle die Realität nicht in Frage oder bekämpfe sie gar. Diese Tatsachen können nicht geändert werden, weil ihre Ursachen in der Vergangenheit liegen. Radikale Akzeptanz ist KEINE Zustimmung, sondern das Klarwerden darüber, dass wir die gegenwärtigen Tatsachen nicht ändern können.
Akzeptanz bedeutet auch nicht, schlechtes Benehmen anderer einfach hinzunehmen. Wir entscheiden uns dafür, Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, gelten zu lassen. Damit bleiben wir nicht in Unglück, Bitterkeit und Wut stecken und können aufhören zu leiden.
Du kannst es für dich beschließen.
Wähle einen Satz, der dich dabei unterstützt. Verankere ihn in deinem Gedächtnis oder schreibe ihn auf. Beispiele:
- Es ist so, weil es so sein muss.
- Ich habe keine Kontrolle über andere Menschen
- Diese Situation ist aus vielen Entscheidungen heraus entstanden.
- Ich kann die Vergangenheit nicht mehr ändern.
- Ich muss nicht allem zustimmen oder es mögen.
- Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen.
- Ich bin stark und werde diese Situation überleben.
- Es hat keinen Sinn, sich über die Vergangenheit aufzuregen. Es ist bereits geschehen und vorbei.
- Niemand hat Macht über mich.
- Auch wenn es mir nicht gefällt, jetzt ist es so, wie es ist.
Überlege dir dein Verhalten, das du hättest, wenn du die Fakten akzeptieren würdest. Ganz rational, als würdest du von außen darauf schauen. Schreibe sie auf und beginne gleich damit, entsprechend zu handeln.
Suche dir sofort etwas, das dir Spaß macht. Manchmal ist Ablenkung das Beste. Negative Emotionen werden durch positive ersetzt. Super wäre natürlich, du hättest sowieso für jeden Tag mindestens eine Tätigkeit, die dir Freude macht. In einem aktuellen Geschehen ist es wichtig, die Stimmung so schnell es geht zu heben. Am besten sofort. Es darf dir gut gehen.
Um es noch einmal zusammenzufassen:
Hadern, Grübeln, wütend sein über Situationen, auf das du keinen Einfluss hast, hilft nicht. Während Schmerz ein Teil unseres Lebens ist, erlaubt radikales Akzeptieren, dass dieser Schmerz nicht zu einem fortgesetzten Leiden wird.
Vollständig zu akzeptieren ist eine Herausforderung, keine Frage. Es ist auch schmerzlich, weil es unsere Ohnmacht in Fällen, die wir eben nicht kontrollieren können deutlich macht. Dennoch ist es der Königsweg, um Situationen effektiv zu bewältigen. Es setzt die Energien frei, um gut für uns zu sorgen.
Herzlichst
Jutta



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