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Schicksal oder Selbstbestimmung? Wie frei wir wirklich sind

  • Autorenbild: Jutta Baur
    Jutta Baur
  • 28. Dez. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Vorhersehung ist ein Konzept, das mich schon seit Jahren beschäftigt. Ich erinnere mich gut an Zeiten in meinem Leben, in denen ich das Gefühl hatte, gegen unsichtbare Wände zu laufen. Das Schicksal ging währenddessen seine eigenen Wege. Manchmal frage ich mich, ob all diese Momente tatsächlich vorbestimmt waren oder ob ich schlichtweg nicht die richtigen Entscheidungen getroffen habe. In solchen Augenblicken kommen Fragen auf: Ist unser Leben wirklich vorherbestimmt? Gibt es eine höhere Kraft, die den Verlauf der Ereignisse lenkt, oder sind wir es, die unser Schicksal selbst gestalten?


Die Vorstellung, dass das Leben einem vorgezeichneten Pfad folgt, kann seltsamerweise sowohl tröstlich als auch frustrierend sein. Einerseits gibt sie einem das Gefühl, dass nichts ohne Grund passiert – was bei schweren Verlusten oder Rückschlägen ein Trost sein kann. Andererseits kann der Gedanke, dass unsere Entscheidungen vielleicht gar keine echte Wirkung haben, auch verunsichern. Ich denke dabei oft an die vielen kleinen Entscheidungen des Alltags: Welchen Weg gehe ich heute? Wen spreche ich an? Könnte das tatsächlich alles Teil eines größeren Plans sein? Und falls ja, wie groß ist meine Freiheit in all dem?

 

eine Hand hält eine Glaskugel

Freier Wille und Vorhersehung: Wie passt das zusammen?

Die Frage nach dem freien Willen begegnet uns in den verschiedensten Bereichen des Lebens. Gerade wenn wir uns in schwierigen Situationen befinden, fragen wir uns: War das vorbestimmt oder hätte ich das verhindern können? Wie oft habe ich geglaubt eine Wahl zu haben und doch zog es mich in eine bestimmte Richtung. Als ob eine unsichtbare Hand mich lenken würde.

In meiner spirituellen Praxis habe ich gelernt, mich dem Fluss des Lebens hinzugeben. Das fällt mir oft genug sehr schwer. Doch was bedeutet das wirklich? Bedeutet Hingabe, dass ich die Kontrolle aufgebe? Oder kann ich beides leben: mich dem hingeben, was kommt und dennoch bewusst Entscheidungen treffen, die meinen eigenen Weg prägen? Ich glaube, dass Vorhersehung und freier Wille sich nicht ausschließen müssen. Vielleicht ist es so, dass es tatsächlich einen vorgezeichneten Plan gibt, aber die Art und Weise, wie wir diesen Plan leben, liegt ganz bei uns.

 

Achtsamkeit als Schlüssel zur Vorhersehung

Ja, ja, die Achtsamkeit. Immer und überall und ziemlich abgegriffen.

Doch: Immer wieder denke ich an Begegnungen und Ereignisse, die mein Leben grundlegend verändert haben. Einige dieser Begegnungen scheinen mir im Nachhinein geradezu unvermeidlich gewesen zu sein. Haben wir uns zufällig getroffen oder war das „vorhergesehen“? Manchmal wünsche ich mir, dass ich in jenen Momenten achtsamer gewesen wäre. Denn wenn ich an Vorhersehung glaube, dann glaube ich auch, dass jeder Moment eine tiefere Bedeutung haben könnte. Wenn ich nur genau hinschaue.

In Zeiten, in denen das Leben chaotisch erscheint, hilft mir diese Sichtweise ungemein. Wenn ich schwierige Phasen als Teil eines größeren Plans betrachte, fällt es mir leichter, den Schmerz und die Ungewissheit anzunehmen. Dann wird das, was anfangs wie ein Rückschlag erschien, zu einer Lektion. Ich beginne, darin einen tieferen Sinn zu entdecken. Nicht immer einfach – zugegeben. Es erfordert Geduld und Vertrauen, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht sofort verstehen kann.

 

Gibt es wissenschaftliche Perspektiven? Zeit und Vorhersehung

Interessant finde ich, dass sich auch die Wissenschaft in gewisser Weise mit der Frage der Vorhersehung auseinandersetzt. Wenngleich auf eine ganz andere Art. In der Quantenphysik gibt es Theorien, die unsere klassische Vorstellung von Zeit hinterfragen. Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, in dem behauptet wird, dass die Zeit nicht so linear verläuft, wie wir es glauben. Könnte es sein, dass unsere Zukunft bereits existiert. Nur noch verborgen? Diese Idee fasziniert mich. Sie wirft die Frage auf, ob unsere Entscheidungen wirklich Einfluss auf die Zukunft haben – oder ob alles bereits feststeht.

Obwohl die Wissenschaft uns hier noch keine endgültigen Antworten gibt, öffnet sie doch Türen zu neuen Denkweisen. Vielleicht ist die Grenze zwischen Schicksal, freiem Willen und Vorhersehung fließender, als wir denken. Wer weiß, vielleicht gibt es sogar eine tiefere Verbindung zwischen dem rationalen Denken und unserer spirituellen Erfahrung, als wir bisher geglaubt haben.

 

Vorhersehung und Selbstbewusstsein

Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass bestimmte Dinge aus einem bestimmten Grund passieren, hat mir das geholfen, mich nicht als Opfer zu fühlen. Das klingst jetzt erst einmal widersprüchlich. Es fällt mir jedoch leichter, Herausforderungen anzunehmen, wenn ich sie als Teil eines längeren Weges betrachte. Gewissermaßen einer Reise, die mir hilft, mich selbst besser zu verstehen. Das macht mich zur Gestalterin meines Daseins.

Dieser Gedanke kann sehr befreiend sein.





Jutta lehnt über einem Geländer in einer alten Villa in der Toskana

Am Ende...

In einer Welt voller Unsicherheiten bietet die Vorstellung, dass es einen höheren Sinn gibt, der unser Leben durchzieht, eine tröstliche und zugleich herausfordernde Perspektive. Ob wir Vorhersehung als spirituelles Konzept oder als philosophische Idee verstehen, bleibt letztlich uns überlassen.

Egal, ob wir an eine höhere Macht glauben oder nicht: Die Idee, dass wir durch unsere Entscheidungen und unsere innere Haltung unser Schicksal beeinflussen können, gibt uns Kraft. Gleichzeitig wäre die Idee der Vorhersehung – zumindest, wenn sie manchmal in Erscheinung tritt – ein Weg zu Vertrauen und Offenheit in das Leben an sich.


Herzlichst

Jutta




 
 
 

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