Überforderung: Wie du dich gut erden kannst
- Jutta Baur

- 26. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Sept. 2024
Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen! Das fühlt sich stark an. Wer einen festen Standpunkt im Leben hat, den wirft so leicht nichts um. Wünschst du dir auch oft, etwas stabiler bei dir zu sein? Deinem inneren Kind ein verlässlicher Erwachsener auch in schwierigen Zeiten? Geerdet? Ich möchte dir hier ein paar Techniken vorstellen, die es dir leichter machen, Boden unter den Füßen zu spüren – und das nicht nur im übertragenen Sinn.
Erdungstechniken sind Strategien, die helfen können, mit traumatischen Erinnerungen oder starken Emotionen umzugehen. Der Zweck besteht vor allem darin, dir zu ermöglichen, dich von negativen Gedanken oder Rückblenden zu lösen. Sich zu erden bedeutet, den Umständen, Gefühlen oder Erinnerungen nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Du konzentrierst dich wieder auf den gegenwärtigen Moment. Die Intensität lässt nach und du hast die Möglichkeit, deine Lebendigkeit auf andere Dinge zu richten und dich zu beruhigen. Für spirituelle Menschen ist dies eine wichtige Praxis, um im Einklang mit dem Selbst zu leben.
Die 5-4-3-2-1 Technik
Mit der 5-4-3-2-1-Technik nimmst du mit allen Sinnen gezielt die Details deiner Umgebung auf. Bemühe dich, auch Kleinigkeiten zu bemerken, die deine Aufmerksamkeit normalerweise ausblenden würde, wie entfernte Geräusche oder die Textur eines gewöhnlichen Objekts.

Welche 5 Dinge siehst du? Schaue sie dir genau an. Welche Muster haben sie? Spiegelt sich das Licht auf ihrer Oberfläche wider? Welchen Schatten werfen sie?
Welche 4 Dinge kannst du fühlen? Spürst du den Boden unter deinen Füßen? Scheint die Sonne auf deine Haut? Bemerkst du deine Kleidung? Wenn du etwas berührst, wie ist seine Oberfläche beschaffen?
Welche 3 Dinge hörst du? Achte besonders auf Geräusche, die du für gewöhnlich nicht wahrnimmst. Tickt vielleicht eine Uhr? Summt ein elektrisches Gerät? Hörst du einen Hund bellen?
Welche 2 Dinge kannst du riechen? Sollte nichts in deiner Nähe sein, dann schaue dich danach um, woran du riechen könntest. Hast du Parfüm in der Nähe? Oder frisch gewaschene Wäsche? Straßenverkehr? Ein Haustier?
Welche Sache könntest du schmecken? Ein Kaugummi? Ein Snack? Suche etwas und fokussiere dich ganz auf die Aromen. Dinge schmecken manchmal ganz unterschiedlich: Süß und sauer gleichzeitig. Salzig und fruchtig.
Kategorisieren
Wähle aus den folgenden Oberbegriffen mindestens drei aus und versuche so viele Elemente wie möglich zu finden, die darunter einzuordnen wären. Nutze dazu am besten ein Blatt Papier.
Bücher
Filme
Städte
Musikstücke
Stars
Fernsehsendungen
Blumen
Körperliche Erdung
Besonders wenn du das Gefühl hast, dass dich etwas überwältigt, hilft es gut, dich körperlich zu erden. Das wirkt direkt auf physische Empfindungen und senkt dein Stresslevel.
Atme tief ein und zähle dabei bis fünf. Zähle beim anschließenden Ausatmen bis sieben. Wiederhole dies, sooft du möchtest.
Balle beide Hände zu Fäusten und erspüre die Spannung. Halte sie eine Weile. Lasse dann los und werde gewahr, wie sich deine Hände nun anfühlen.
Stampfe mit deinen Füßen auf den Boden, genauso, wie es Kinder tun, wenn sie wütend sind. Achte beim Bodenkontakt auf die Empfindungen in deinen Füßen und Beinen.
Recke und strecke dich – am besten Richtung Decke. Deine Arme, dein Körper – alles soll für ungefähr 10 Sekunden in die Dehnung kommen. Danach lässt du deine Arme schlaff nach unten fallen. Konzentriere dich auch hier auf die unterschiedlichen, körperlichen Gefühle.
Das Wichtige beim Erden ist, sich aus der Situation herauszunehmen. Die Gedanken und Gefühle, vielleicht auch die Erinnerungen werden durch die Erdung relativiert. Die Ängste deines inneren Kindes kannst du zwar Wahrnehmen. Sie überfluten dich jedoch nicht und lassen dir einen freien Kopf, um als Erwachsener zu agieren. Sieh‘ das Erden, als eine Art Erste-Hilfe-Werkzeug an.
Auch hier gilt: Je mehr Möglichkeiten du in deinem Werkzeugkasten hast, desto besser. Auf diese Weise hast du die Flexibilität diejenigen auszuwählen, die zu deiner Zeit und deinem Ort passen. Und all das kannst du alleine tun. Du bist von niemandem abhängig. Du bist selbständig und für dein inneres Kind ein behütender Erwachsener.
Herzlichst
Jutta



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